Manifest

Wir sind Mieter_innen und möchten das auch bleiben.

Wir schließen uns zusammen, um für uns und andere bezahlbaren Wohnraum in Berlin zu schaffen. Soziale Ungerechtigkeit, Ausgrenzung und neoliberale Bestrebungen lassen sich durch positive Erzählungen und verwirklichte Utopien aufheben.

Wir sind Menschen verschiedenster Nationalitäten und kultureller Hintergründe. Wir möchten in größeren Zusammenhängen wohnen und vielfältige Wohnkonzepte ermöglichen. Unser gebauter Lebensraum soll unsere komplexen, gesellschaftlichen Beziehungen nicht auf starre Lebensformen begrenzen. Wir wollen eine Wohnstruktur entwerfen, die der Isolation Einzelner entgegenwirkt und für Kollektivität und Geschlechtergerechtigkeit eintritt.

Wir wollen mit der Nachbarschaft solidarisch sein, Gemeinschaft anbieten und Freiräume öffnen. Wir wollen Verdrängung entgegenwirken. Wir wollen mit Alt- und Neu-Berliner_innen zusammenleben – Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Erfahrungshorizonten. Wir wollen gleichberechtigte Selbst-sprache für uns alle ermöglichen. Wir wollen denen, die nach uns kommen, Platz, Schutz und Zeit verschaffen, um sich zu entfalten.

Wir setzen dem einseitig auf Technik und Ökonomie rationalisierten Bauen für das Existenzminimum ein Modell entgegen: Mittels intelligenter Planung und beweglicher Konzepte, aus vorhandenen Mitteln und kollektivem, ressourcenschonendem Verständnis von Raum möchten wir eine Verbesserung unserer Lebensbedingungen erreichen und damit den Beweis führen, dass es auch anders gehen kann.

Wir streben nach einem Haus, das nicht nur unsere Bedürfnisse sondern auch unsere Sehnsüchte ausdrückt. Wir denken unser Haus als ein elastisches Gebäude, dass mit uns wächst und sich verändert. [A human being] „still breathes in and out, is architecture able to do the same?” fragte der Architekt Aldo van Eyck vor 58 Jahren.

Wir bestimmen unsere eigene Miete. Für ehrenamtliches oder aktivistisches Engagement, für prekäre oder schlecht bezahlte Arbeit, für Care-Arbeit und eine kritische künstlerische und forschende Praxis sind bezahlbare Wohn- und Gewerberäume gleichermaßen unerlässlich. Im Kontext von Privatisierungen und steigender Kosten für Wohn-, Arbeits- und Atelierräume treten wir daher für das Recht auf bezahlbare Wohn- und Arbeitsräume als Bedingung für selbstbestimmtes Leben ein. Dazu gehört für uns, Wohnen, Arbeiten und Kultur miteinander verschränkt zu denken (Kreuzberger Mischung).

Privateigentum reduziert die Stadt auf ein unwirtliches Außen und Gebäude auf ein käufliches, funktionales Innen. Wir möchten ein Mietshaus gestalten, das Zwischenräume für die Stadt als Ort der Begegnung und des gesellschaftlichen Handelns zulässt. Denn das echte, langfristige Vermögen einer Stadt liegt nicht auf Privatkonten sondern setzt sich aus Menschen und deren vielfältigen sozialen Beziehungen zusammen und dazu braucht es Freiräume.

Wir wollen eine Stadt der solidarischen Kooperationen. Nur dadurch kann Stadt an Wert gewinnen ohne verwertbar zu werden.

Kooperationen mit anderen gemeinwohlorientierten Immobilienentwickler_innen wie Hausgruppen im Mietshäuser Syndikat, kommunalen Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften sind daher für uns erstrebenswert. Wir wollen echte Teilhabe. Berlin nachhaltig mitzugestalten, nicht nur Stadt zu konsumieren, bedeutet in einem größeren städtischen Kontext mitzuplanen und mitzuentscheiden.

Das ist unser und aller Recht auf Stadt.